Eine deutliche Mehrheit aller Arbeitnehmer in der Schweiz, arbeiten in KMU’s. Die BGM-Systeme, die heute im Einsatz sind, sind auf die Umsetzung in Grossbetrieben ausgelegt. Viele KMU’s fühlen sich überfordert bei der BGM-Umsetzung, weil sie nicht über das Know-How und auch nicht über die Ressourcen verfügen. Deshalb ist ein andere Umsetzungsstrategie für BGM im KMU gefordert.
In Grossbetrieben ist die Spezialisierung im Vordergrund, für jede Aufgabe gibt es hochgradige Experten. So obliegt das BGM in den meisten grösseren Firmen in der Schweiz, in der Verantwortung eines ausgebildeten Arztes. Deshalb ist nachvollziehbar, warum die BGM-Umsetzung, die ursprünglich in Grossbetrieben entwickelt wurde, nicht automatisch übertragbar ist auf die Umsetzung in KMU’s.

Der gesunde Betrieb, los geht’s!

Welches KMU kann sich schon einen internen Arzt leisten, der sich zu 100% um das BGM im Unternehmen kümmert? In den meisten KMU’s in der Schweiz haben viele Mitarbeiter mehrere Rollen, die sie während ihrer Arbeit wahrnehmen. Dadurch ist oft eine Mitarbeiterin im Personalbüro, in einem Teilpensum für das BGM zuständig. Die Mitarbeiterin hat meist eine kaufmännische Grundausbildung und hat sich ihr BGM Wissen in Kursen und Seminaren zum BGM zum Beispiel bei der Gesundheitsförderung Schweiz sowie aus Büchern selbst angeeignet und gibt ihr Bestes, nebst ihren Aufgaben im operativen Geschäft.

Aufgrund aller Studien zum Gesundheitszustand der Schweizer Arbeitnehmer ist es ganz klar, dass das BGM auch in KMU’s wichtig ist, aber die Umsetzung muss so angepasst werden, damit es von einem KMU wirtschaftlich tragbar und nachhaltig umgesetzt werden kann. Da gibt es noch einiges an Handlungsbedarf. Ich bin seit zwei Jahren in einer BGM Gruppe und wir beschäftigen uns zurzeit zusammen mit anderen BGM-Fachgruppen und Experten über eine nachhaltige Umsetzung von BGM in KMU.

Was ich hier in diesem Blog schreibe basiert auf meiner eigenen Beobachtung und Erfahrung aus meiner Tätigkeit als Change-Berater in KMU während Unternehmens- und Abteilungsintegrationen, sowie bei Nachfolgeregelungen.

Wie Führungskräfte in KMU’s zur Mitarbeitergesundheit beitragen können?

Wie kannst du als Führungskraft nebst deiner operativen Verantwortung und nebst all deinen täglichen Aufgaben einen Beitrag zur Mitarbeitergesundheit leisten?

Bist du der Meinung, dass das nicht zu deinen Aufgaben gehört? Okay, ich verstehe, ihr habt jemanden in eurer HR-Abteilung, die für das betriebliche Gesundheitsmanagement verantwortlich ist und somit ist das für dich erledigt. Da frage ich dich aber, wer ist für die Zielerreichung in deiner Abteilung verantwortlich und kannst du es dir leisten, wenn deine Mitarbeiter nicht 100% leistungsfähig sind?

Wir leben heute in einer Zeit, wo Unternehmungen ihren Mitarbeitern keine Arbeitsplatzsicherheit von der Lehre bis zur Pensionierung gewährleisten können. Umso wichtiger wird es zukünftig sein, dass sich Bewerber im Vorfeld der Bewerbung darüber informieren können ob eine Unternehmung, die von sich selbst behauptet innovativ und zukunftsfähig zu sein wirklich dafür Sorge trägt, dass ihre Mitarbeiter arbeitsmarktfähig bleiben.

Wie ist deine Einstellung gegenüber deinen Mitarbeitern?

  1. Es beginnt beim Mindset, bei deiner Einstellung gegenüber deinen Mitarbeitern, die du soweit justieren musst, dass es zu einem gemeinsamen Miteinander wird und nicht, dass du alle Mitarbeiter in den gleichen Topf hinein wirfst oder allesamt Generalverdächtigt werden. Es braucht Vertrauen sowie eine ehrliche und transparente Austauschplattform mit Massnahmen die daraus folgen und zeitnah umgesetzt werden. Dies dient wiederum der Wertschätzung und dem Aufbau einer Vertrauens-Kultur.
  2. Zum zweiten braucht es ein strukturiertes Vorgehen. Es braucht diverse Erfolgsfaktoren kombiniert mit Vorgehensmodellen, um zum gewünschten Zielzustand zu gelangen.
  3. zum dritten gilt es die Work-Life-Balance aufrecht zu erhalten. Tatsache ist, dass es täglich viele Einflussgrössen gibt, die es einem manchmal schwer machen im Arbeitsalltag in der Balance zu bleiben.

“Komplexität beherrscht man, in dem man die Kunst beherrscht, komplizierte Zusammenhänge einfach und transparent darzustellen, so dass es nachvollziehbar von der Zielgruppe verstanden wird.”

Andreas Blättler

Die einzelnen Elemente mögen für sich trivial klingen, die hohe Kunst aber besteht in einer ausgewogenen und situativ richtigen Kombination der drei Säulen: Mindset – Vorgehen – Work-Life-Balance, die die Erbringung der gewünschten Resultate nachhaltig sicherstellt. Die Welt braucht keine weiteren wissenschaftlichen Abhandlungen über theoretische Vorgehensweisen, sondern praktische Hilfestellung im Umgang mit komplexen Situationen, die sich nicht nur mit Zahlen, Daten und Fakten ergründen lassen.

Wir müssen uns an dieser Stelle bewusst sein, dass Zahlen in erster Linie dazu dienen eine Vergleichbarkeit sicherzustellen. Die Kunst liegt im Zuhören kombiniert mit vernetztem Denken und Handeln. Hilfreich sind Vorgehensweisen und Tools mit Hintergrundinformationen, die Ihre Stärke in der Vernetzung und der gleichzeitigen Umsetzung aller Aspekte beinhalten und auf einer allgemein verständlichen Sprache basieren. Komplizierte Zusammenhänge kompliziert zu erklären ist keine Kunst, die Kunst liegt darin komplizierte Zusammenhänge einfach und verständlich darzustellen. Ich setze wann immer möglich Tools ein, wo man Zusammenhänge visualisieren kann.

Was ist die Chance des betrieblichen Gesundheitsmanagement im KMU?

Für dich als Führungskraft in einem KMU ist es wichtig, dass du deine innere Einstellung (Mindset) in Bezug auf die Beobachtung des Verhaltens deiner Mitarbeiter schärfst. Du bist im Arbeitsalltag oft in der Nähe deiner Mitarbeiter und dir fällt ein verändertes Verhalten eher auf, aber nur dann, wenn du dich innerlich darauf einstimmst. Wenn du deine Sinne schärfst und öfter auf deine Mitarbeiter achtest, dann werden dir auch kleine Veränderung früher auffallen und nicht erst dann, wenn es offensichtlich und augenfällig ist.

Durch die Nähe zum Mitarbeiter kann es manchmal schwieriger sein sich abzugrenzen und man entwickelt mit der Zeit eine sehr persönliche und familiäre Kultur, was aber im BGM ein Vorteil ist. Durch die Nähe und die Möglichkeit sich öfter auszutauschen, bist du in der Lage deine Mitarbeiter besser kennen zu lernen. Wenn du Achtsam bist und deine Aufmerksamkeit schärfst, werden dir frühzeitiger als in einem unpersönlicheren Umfeld Verhaltensveränderungen bei deinen Mitarbeitern auffallen. Das kann entscheidend sein, um die Probleme des Mitarbeiters durch professionelle Betreuung frühzeitig einleiten zu können.

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Firmen-Seminar: Life in Balance

Seminare, Vorträge usw.: Gesundheitsförderung Schweiz

Mein Buch: Führen und Coachen im Change-Prozess, Mit Vertrauen, Empathie und Wertschätzung, Versus Verlag, Zürich 2019

Andreas Blättler

Andreas Blättler

Dipl. Ing. FH, MAS Wirtschaftsingenieur HSLU

Ich bin Coach, Projekt-Moderator und Autor.
Ich unterstütze KMU Unternehmer bei der
Unternehmensintegration und Nachfolgeregelung.
Sowie Führungskräfte mit Reflexions-Coaching zur
Standortbestimmung und Potenzialanalyse mit
Massnahmenplan.

Abbildungsnachweis:     

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